Romantische Straße mit dem Käfer: Würzburg bis Füssen ohne Eile
Es gibt Strecken, auf denen ein Käfer nur mitfährt — und es gibt Strecken, für die er gebaut zu sein scheint. Die Romantische Straße gehört zur zweiten Sorte. Sie führt auf rund 350 Kilometern von Würzburg nach Füssen, fast durchgehend über Landstraßen, durch Orte, in denen 60 km/h schon zügig sind. Genau das Tempo, bei dem sich der luftgekühlte Boxer wohlfühlt.
Wer diese Route mit einem modernen Auto fährt, hat sie an einem langen Tag hinter sich. Das ist der sicherste Weg, sie zu ruinieren.
Warum passt die Romantische Straße so gut zum Käfer?
Weil sie nichts verlangt, was ein Käfer nicht kann. Kein Dauertempo 130, keine langen Steigungen unter Volllast, keine Etappen, die Reichweite erzwingen.
- **Landstraße statt Autobahn:** Der Käfer fährt bei 90 bis 100 km/h entspannt. Genau in diesem Bereich bewegt man sich hier ohnehin.
- **Kurze Abstände:** Zwischen den Etappenorten liegen selten mehr als 40 Kilometer. Der Motor bleibt warm, wird aber nie gequält.
- **Viele Gründe zu halten:** Rothenburg, Dinkelsbühl, Nördlingen — Stopps sind hier keine Unterbrechung, sondern der Zweck der Fahrt.
- **Du bist Teil der Kulisse:** Vor einem Fachwerkgiebel steht ein Käfer einfach richtiger als ein SUV. Das merkt man an den Reaktionen.
Wie teile ich die Strecke sinnvoll ein?
Drei Tage sind ein guter Kompromiss, vier sind besser. Eine mögliche Aufteilung:
Tag 1 — Würzburg bis Rothenburg ob der Tauber. Kurze Etappe, dafür der schönste Einstieg. Das Taubertal ist sanft, die Kurven sind gutmütig, es gibt keinen Grund zu hetzen.
Tag 2 — Rothenburg bis Nördlingen. Über Dinkelsbühl. Nördlingen liegt im Ries, einem Einschlagkrater — die Stadtmauer ist komplett begehbar.
Tag 3 — Nördlingen bis Landsberg am Lech. Die längste Etappe, teils über Augsburg. Wer Zeit hat, splittet hier.
Tag 4 — Landsberg bis Füssen. Zum Schluss wird es voralpin: Es geht spürbar bergauf, die Kulisse wird größer. Neuschwanstein ist das offizielle Ende.
Was braucht der Käfer auf dieser Route?
Ehrlich: wenig. Aber das Wenige zuverlässig.
- Keilriemen prüfen — er treibt beim luftgekühlten Motor auch das Kühlgebläse an. Reißt er, wird es schnell teuer.
- Ölstand vor jeder Etappe kontrollieren. Der Boxer nimmt Öl gern in kleinen Mengen mit.
- Ersatzkeilriemen, Zündkerzen und Verteilerkappe ins Handschuhfach.
- Reifendruck einstellen — hinten mehr als vorne, der Motor sitzt schließlich dort.
- Bei 6-Volt-Fahrzeugen: Licht und Batterie vorher testen, falls es später wird.
Mehr zur Grundpflege steht im Beitrag über die Erhaltung und Pflege von historischen VW Käfern.
Lohnt sich der Umweg über die Nebenstrecken?
Fast immer. Die ausgeschilderte Route ist im Sommer gut besucht, besonders zwischen Rothenburg und Dinkelsbühl. Wer parallel auf die kleineren Verbindungen ausweicht, verliert vielleicht zwanzig Minuten und gewinnt die Straße für sich allein.
Für ein Auto ohne Servolenkung und mit Trommelbremsen ist eine leere Landstraße ohnehin angenehmer als eine volle Hauptroute. Man fährt vorausschauender, wenn niemand drängelt.
Was ist mit Neuschwanstein am Ende?
Ehrliche Einschätzung: Der Parkplatz in Hohenschwangau ist im Sommer voll, und ein Käfer in einer Warteschlange bei 30 Grad ist kein Vergnügen. Wer das Schloss sehen will, fährt früh. Wer die Straße will, dreht in Füssen um und nimmt eine andere Linie zurück.
Die Route ist nicht wegen des Ziels gut. Sie ist wegen der 350 Kilometer davor gut.
Und wenn unterwegs etwas klemmt?
Der Käfer ist an einer Landstraße reparabel wie kaum ein anderes Auto — das ist Teil seines Reizes. Zündung, Vergaser und Keilriemen bekommt man mit Bordwerkzeug und ein bisschen Ruhe wieder hin. Was man dafür wissen sollte, steht in den Beiträgen zum Vergaser überholen und zur Elektrik und Verkabelung.
Wer noch überlegt, ob ein Käfer überhaupt das richtige Auto für solche Touren ist, findet in Warum ein VW Käfer Oldtimer? die längere Antwort.
Zuletzt aktualisiert am 14. Juli 2026